Berkemann

In den sechziger Jahren wurde die Berkemann-Sandale an manchen Schulen verboten. Nicht wegen der Optik – wegen des Lärms. Beim Abrollen schnalzt die Holzsohle gegen die Fußsohle, und in einem Klassenzimmer mit dreißig Kindern wurde daraus ein Geräusch, das kein Unterricht überstand. „Klapperlatschen" nannte man sie.

Heute ist genau dieses Geräusch das Erkennungszeichen einer Schuhform, von der bis 1970 über zehn Millionen Paar verkauft wurden. Und der Grund dafür steckt im Fußbett.

Von der Hamburger Meisterwerkstatt zur Gattungsbezeichnung

Heinrich Adolf Berkemann meldete seinen Betrieb am 8. Juli 1885 in Hamburg an, am Valentinskamp. Er spezialisierte sich auf maßgefertigte Bequemschuhe – in Deutschland damals eine Neuheit. 1903 folgten die ersten orthopädischen Schuheinlagen, später die erste serienmäßig produzierte Fußbrücke.

Die Original-Sandale mit Holzsohle entstand Mitte der fünfziger Jahre in Zusammenarbeit mit Professor Thomsen, einer Koryphäe der damaligen Fußorthopädie. 1964 kam der Toeffler dazu. Beide gibt es bis heute.

Für uns ist Berkemann deshalb eine besondere Marke: Sie kommt nicht aus der Mode zur Orthopädie, sondern umgekehrt.

Das 5-Phasen-Fußbett

Das Herzstück ist ein Fußbett, das in allen Berkemann-Schuhen in unterschiedlichen Ausprägungen steckt. Es ist so ausgeformt, dass der Fuß beim Gehen über fünf definierte Zonen abrollt.

Charakteristisch ist der Zehengreifwulst: eine Erhebung vorn, an der sich die Zehen bei jedem Schritt festhalten. Genau dadurch entsteht auch das Klappgeräusch – der Fuß hält die Sandale, und die Sandale schnalzt nach.

Der Hersteller beschreibt das als Training der Fuß- und Wadenmuskulatur bei regelmäßigem Tragen. Wir formulieren es zurückhaltender: Der Fuß arbeitet in diesem Schuh mehr als in einem geschlossenen Halbschuh. Ob das für Sie sinnvoll ist, hängt davon ab, was Ihr Fuß braucht – und genau da wird es interessant.

Für wen wir Berkemann nicht empfehlen

Diesen Abschnitt schreiben wir bewusst vor die Empfehlung, weil er wichtiger ist.

Bei diabetischer Neuropathie raten wir von der klassischen Gymnastiksandale ab. Wer Druck nicht mehr zuverlässig spürt, sollte keinen Schuh tragen, der gezielt punktuell fordert – und schon gar keinen mit offener Ferse und offenem Vorfuß. Was in diesem Fall die richtige Versorgung ist, steht auf unserer Seite zur Diabetesversorgung.

Bei Sturzgefahr ist eine Sandale ohne Fersenhalt ebenfalls die falsche Wahl. Wenn Sie unsicher gehen, einen Rollator nutzen oder schon einmal gestürzt sind, wählen wir gemeinsam etwas Geschlossenes.

Bei akuten Beschwerden im Vorfuß – Metatarsalgie, ein entzündeter Ballen, eine frische Operation – ist der Zehengreifwulst zusätzliche Belastung, keine Entlastung.

Wir sagen Ihnen das im Laden ebenso deutlich. Eine Marke zu führen heißt nicht, sie jedem zu verkaufen.

Für wen sie dagegen gut passt

  • Als Berufsschuh in Klinik und Praxis. Der Toeffler ist dort seit Jahrzehnten verbreitet – leicht, schnell an- und auszuziehen, mit fester Sohle bei langen Standzeiten.
  • Wenn Sie einen aktiven Fuß haben und ihn aktiv halten wollen. Vorausgesetzt, es liegt keine der oben genannten Einschränkungen vor.
  • Als Sommer- oder Hausschuh mit Halt. Modelle mit geschlossener Ferse oder Fersenriemen gibt es ebenfalls.
  • Wenn Sie Einlagen tragen. Mehrere Berkemann-Modelle haben ein Wechselfußbett, teils lederbezogen und waschbar. Fragen Sie uns gezielt danach – nicht jedes Modell ist so ausgestattet.

Die Riemen sind Verschleißteil, nicht Wegwerfteil

Das ist der Punkt, an dem Berkemann in unser Verständnis von Versorgung passt.

Bei der Original-Sandale lassen sich die Riemen austauschen. Das ist kein Zufall, sondern Konstruktion: Das Holzfußbett hält sehr lange, das Leder der Riemen nicht. Statt einen funktionierenden Schuh wegzuwerfen, weil ein Riemen durch ist, wechselt man den Riemen.

Bringen Sie uns die Sandale in die Filiale, wenn ein Riemen ausgerissen oder ausgeleiert ist. Wir sehen uns an, ob sich der Tausch lohnt. Meist tut er das – und meist ist es deutlich günstiger als ein neues Paar.

Dieselbe Logik gilt für alles andere, was wir reparieren: Ein Schuh, dessen Verschleißteile ersetzbar sind, ist einem Schuh überlegen, bei dem das erste kaputte Detail das Ende bedeutet.

Ein Klassiker mit Nachfolger

Wer das Original kennt und es zu fordernd findet, sollte sich die Berkilette ansehen.

Sie kam 2003 als Weiterentwicklung: flacheres Fußbett, zusätzliche EVA-Zwischensohle, gepolsterter Querriemen. Der Grundgedanke bleibt, die Intensität ist geringer. Für viele Menschen ist das der brauchbare Kompromiss zwischen einem aktivierenden und einem bettenden Schuh.

Auch die Original-Sandale selbst wird heute mit flacher ausgeformtem Fußbett gefertigt als in den siebziger Jahren. Wenn Sie ein altes Paar im Schrank haben und den Vergleich ziehen: Das ist kein Irrtum Ihres Gedächtnisses.

Was noch im Sortiment steckt

Berkemann ist längst mehr als die Holzsandale. Dazu kommen Pantoletten, Clogs, Halbschuhe, Hausschuhe und Berufsschuhe.

Einzelne Modelle werden mit Handnaht gefertigt, was dem Schuh mehr Flexibilität gibt. Andere kombinieren ein waschbares Wechselfußbett mit verstellbaren Klettverschlüssen – praktisch für Füße, deren Volumen im Tagesverlauf schwankt, und für Hände, denen eine Schnalle schwerfällt.

Wenn Sie „Berkemann" sagen und die Holzsandale meinen, ist das verständlich. Es lohnt sich trotzdem, das übrige Sortiment anzusehen.

Warum die Marke in unser Regal gehört

Berkemann ist die einzige Marke in unserem Bequemschuhsortiment, bei der wir einem Teil der Kundschaft aktiv abraten.

Das klingt nach einem Argument dagegen. Für uns ist es das Gegenteil. Ein Schuh, der einen definierten Reiz setzt, wirkt – und was wirkt, kann auch das Falsche bewirken. Genau deshalb gehört er in eine Fachberatung und nicht in einen Warenkorb.

Die Sandale ist außerdem ein gutes Beispiel für etwas, das unser Handwerk seit hundert Jahren beschäftigt: Wie viel Führung braucht ein Fuß, und ab wann nimmt man ihm die Arbeit ab, die ihn gesund hält? Berkemann beantwortet das anders als ein weich gebetteter Schuh. Beide Antworten haben ihre Berechtigung, und welche für Sie gilt, sehen wir uns an Ihrem Fuß an.

Was wir zusätzlich damit machen

  • Zurichtungen. An Holzsohlen ist konstruktiv weniger möglich als an anderen Schuhen – das prüfen wir im Einzelfall. Was grundsätzlich geht, steht auf unserer Seite zu Schuhzurichtungen.
  • Eigene Einlagen. Für Modelle mit Wechselfußbett bauen wir sie passend. Details unter Einlagen.
  • Riementausch und kleine Reparaturen in unserer Werkstatt.

Wenn ein Konfektionsmodell nicht mehr trägt, sprechen wir über den orthopädischen Maßschuh.

Pflege

Holz mag keine Nässe. Lassen Sie eine durchnässte Sandale bei Zimmertemperatur trocknen, nie an der Heizung – das Holz kann sonst reißen.

Lederriemen brauchen gelegentlich Pflege, damit sie geschmeidig bleiben und nicht brechen. Waschbare Fußbetten nehmen Sie heraus und lassen sie an der Luft trocknen.

Und prüfen Sie hin und wieder die Sohle. Eine glatt gelaufene Laufsohle ist bei einem Schuh ohne Fersenhalt ein doppeltes Risiko.

Kassenrezept und Eigenanteil

Ob ein bestimmtes Modell im Rahmen einer Verordnung in Betracht kommt, hängt vom Einzelfall ab – von der Diagnose, der Verordnung und dem Vertrag Ihrer Kasse. Häufiger läuft eine Kostenbeteiligung über die Einlagen oder eine Zurichtung als über den Schuh selbst.

Was bei Ihnen möglich ist, klären wir vorab. Eine vorhandene Verordnung können Sie über Rezept einreichen an uns senden.

Kommen Sie zum Anprobieren

Eine Gymnastiksandale fühlt sich beim ersten Tragen ungewohnt an. Das ist normal und noch kein Urteil – aber Sie sollten nicht am ersten Tag acht Stunden darin verbringen.

Steigern Sie die Tragezeit langsam. Wenn nach ein paar Tagen etwas drückt oder die Wade verkrampft, kommen Sie damit zu uns, bevor Sie das Paar in die Ecke stellen. Meist liegt es an der Größe oder daran, dass die Umstellung zu schnell ging.

Nicht jede unserer Filialen führt alle Bequemschuhmarken. Rufen Sie vorher kurz an – die Nummern finden Sie in der Filialübersicht.